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Indirekte SAP-Nutzung verursacht Zusatzkosten

Der Walldorfer Softwarekonzern SAP hat aus seiner Preisliste die Bezeichnung »indirekte Nutzung« klammheimlich entfernt und durch neue Bezeichnungen ersetzt, die mit einem Preis versehen wurden und eine potentielle Umsatzquelle erschließen sollen. Die Streichung dieses Passus hat für so genannte Non-SAP-Nutzer wie Onlineshop-Betreiber oder CRM-Anwender ungeahnte finanzielle Folgen. Sie müssen Lizenzkosten für die indirekte Nutzung von SAP-Software bezahlen. Die Lizenzkosten werden berechnet, sobald über eine Dialogschnittstelle zum Beispiel eine Datenbank abgerufen wird, die mit einer SAP-Anwendung funktioniert. Nach Ansicht der Walldorfer handelt es sich hierbei um eine indirekte SAP-Nutzung, wodurch die Berechnung von Lizenzgebühren gerechtfertigt sei.

 

In jährlichen Audits überprüft SAP diese spezielle Form der Nutzung und erzielt damit jährlich Millioneneinnahmen, ohne dass signifikante Mehrkosten für den Softwarehersteller entstehen. Auf der Gegenseite sind Unternehmen mit zusätzlichen Kosten in Millionenhöhe konfrontiert, die sie nur zum Teil etwa durch Preiserhöhungen kompensieren können.

 

Wer erfindet so etwas, warum, wo macht es Sinn, wo nicht?

Die indirekte Nutzung ist eine Bezeichnung, die beschreibt, dass jemand ein Programm, Raum, Fahrzeug oder Gegenstand mitbenutzt und dafür eventuell Gebühren zahlen muss. Im Bereich Software bedeutet die indirekte Nutzung ein Zugriff auf Anwendungen von Softwareherstellern wie SAP oder Microsoft über eine Schnittstelle. Beim Hersteller entstehen durch diese Nutzungsform keine zusätzlichen Kosten in merklicher Höhe.

 

Sein Vorgehen begründet SAP den Angaben (Stand 2003) von Alexa Bona (Research Director bei Gartner) zufolge damit, dass so manche Firma eigene Schnittstellen für die Anbindung von Drittsoftware an SAP-Systemen selbst programmiert, damit Lizenzkosten eingespart werden. Für jeden direkten und indirekten Zugriff sei eine Lizenz erforderlich.

 

Es sei bei der indirekten Nutzung unerheblich über welchen Weg oder mit welcher Technik der Zugriff auf SAP-Systeme stattfindet, begründete SAP im Mai 2003 seine Geschäftspolitik gegenüber Firmen, die SAP-Software offenbar unwissentlich mitnutzen. (http://www.computerwoche.de/a/lizenzmodelle-versagen-bei-indirektem-zugriff,1057505)

 

Für Hersteller wie SAP bedeutet die indirekte Nutzung die Eröffnung einer neuen Einnahmequelle auf Kosten von Betreibern von Onlineshops, CRM-Systemen und weiterer Anwendungen, die unwissentlich Programme oder Module einer Softwarefirma indirekt nutzen.

 

Eine indirekte Nutzung ist dann sinnvoll, wenn beide Seiten profitieren und die eventuellen Zusatzkosten überschaubar bleiben oder sogar geteilt werden.

 

Die DSAG (Deutschsprachige SAP Anwendergruppe) arbeitet in einer Arbeitsgruppe an einer Lösung des Problems. Die Gruppe soll klären was unter den Begriff »indirekte Nutzung« abgedeckt werden kann und eine klare Definition gefunden werden, welche Arten dieser Nutzungsform sich auf welche Weise abrechnen lassen. Das Ziel ist ein Preismodell für indirekte Nutzung, um Nachforderungen von SAP gegenüber dem Vertrieb zu vermeiden.

 

In Zeiten sinkender Einnahmen im Softwareverkauf müssen Softwarehersteller neue Einnahmequellen erschließen und die Erhebung von Lizenzgebühren für die indirekte Nutzung ist ein Weg. Die indirekte Nutzung entwickelt sich für SAP, Microsoft und Co. zu einer lukrativen Einnahmequelle.

 

Beispiele einer indirekten Nutzung

So könnte zum Beispiel der Inhaber eines Restaurants einen Saal für große Veranstaltungen, der nur selten genutzt wird wöchentlich an einen Zumba Trainer vermieten oder statt der Miete an den Einnahmen prozentual beteiligt werden. Der Saal könnte zusätzlich für Zumba Fitness Partys genutzt werden und würde die Zeiten ausgleichen, in denen er nicht genutzt wird.

 

In diesem Fall profitieren beide Seiten. Der Zumba Trainer hat einen Raum für seine wöchentlichen Kurse und der Restaurantbesitzer erzielt Einnahmen in Zeiten, wo der Saal nicht für Veranstaltungen benötigt wird. Vor allem unter der Woche an Werktagen werden derartige Räume nur selten genutzt. Ein Saal ist für Fitnesskurse eigentlich nicht vorgesehen, jedoch erlaubt er auf Grund seiner Größe die indirekte Nutzung als Kursraum, wenn eine Klimaanlage verfügbar sein sollte.

 

Der Vermieter oder Eigentümer der Immobilie könnte sich allerdings gegen die Nutzung des Saals als Kursraum aussprechen oder dafür eine höhere Miete verlangen. Zur Vermeidung einer solchen Situation müsste der Restaurantbesitzer entsprechend vorsorgen, indem der dem Trainer eine Musikanlage zur Verfügung stellt oder seinen Vermieter/Pächter prozentual an den Gesamteinnahmen der Saalvermietung beteiligt. Vor der indirekten Nutzung als Kursraum müsste der Restaurantbesitzer alle Einzelheiten mit seinem Vermieter klären und vertraglich vereinbaren.

 

Das Auto eignet sich sehr gut für eine indirekte Nutzung. Zum Beispiel stellt ein Unternehmen seinen Mitarbeitern einen Firmenwagen auch für die Privatnutzung zur Verfügung und berechnet dafür eine geringe monatliche Nutzungsgebühr. Die Privatfahrten müssten unter Umständen zur Vermeidung einer übermäßigen Privatnutzung in einem Fahrtenbuch protokolliert werden.

 

Fazit

Die indirekte Nutzung spielt für SAP, Microsoft und andere Softwarekonzerne eine immer wichtigere Rolle, vor allem was den Ausgleich rückläufiger Umsätze im Softwareverkauf betrifft. Die Kunden sind die Leidtragenden dieser unlauteren Geschäftspolitik, weil sie genau protokollieren müssen welcher ihrer Kunden etwa auf eine SAP-basierte Datenbank zugegriffen hat. Die Erstellung der Protokolle bindet unter Umständen personelle Ressourcen und kostet sinnlos Arbeitszeit. Zugleich bedeutet diese Geschäftspolitik eine Einmischung in das Verhältnis zwischen dem Anwenderunternehmen und Kunden, weil das Unternehmen eventuell seine Kundendaten zur Berechnung der Lizenzgebühren an SAP weiterleiten muss. Dies verstößt gegen den Datenschutz.

 

Bei einer Fortführung der Berechnung von Lizenzkosten für die indirekte Nutzung könnten die Hersteller langfristig ihre Kunden verlieren und hätte spürbare wirtschaftliche Folgen. Die Entwicklung spezieller Preismodelle welche die indirekte Nutzung berücksichtigen wäre für beide Seiten vorteilhaft. Ein Verzicht auf Lizenzgebühren für diese Nutzungsform wäre jedoch am fairsten, weil dem Hersteller keine oder nur geringe Mehrkosten entstehen.

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