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Firmenübernahme in 2014

Bundeskartellamt und die Firmenübernahmen

Der Walldorfer Softwarehersteller SAP steht vor der bisher größten Übernahme seiner Firmengeschichte, die Aktionäre des US-Softwarekonzerns Concur stimmten den Plänen auf der Hauptversammlung zu. Den Kauf des Unternehmens hatte SAP bereits Mitte September 2014 angekündigt und zahlt einen Preis von umgerechnet 6,5 Milliarden Euro. Der Wert von Concur wird auf rund 8,3 Milliarden US-Dollar taxiert. Der Softwareanbieter hat sich auf die Entwicklung von Programmen zur Reisekostenabwicklung spezialisiert. Rund 25.000 Kunden, 25 Millionen Nutzer und 4200 Mitarbeiter zählt der Konzern in 150 Ländern. Von den Fortune 100 Firmen setzen über 70 Prozent auf Concur-Software. Der Börsenwert von SAP beläuft sich auf rund 70 Milliarden Euro und ist damit etwa neun mal größer als Concur.

 

Bei Concur handelt es sich  um den weltweit führenden Anbieter für Lösungen & Dienstleistungen im Reise- und Reisekostenmanagement. Alle Beteiligten bestehend aus Kunden, Anbietern und Entwicklern werden über die offene Concur-Plattform miteinander vernetzt. Die Systeme des Hersteller sind auf die individuellen Mitarbeiteranforderungen einstellbar, lassen sich skalieren und eignen sich für kleine wie große Unternehmen. Die Übernahme von Concur konnte letzte Woche erfolgreich abgeschlossen werden. Die Aktionäre erhielten einen Barausgleich von 129 US-Dollar pro Aktie.

 

Einen Anteil von 40 bis 45 Millionen US-Dollar an den Erlösen des Cloud-Supports und Cloud-Abonnements soll der Zukauf im vierten Quartal bzw. Gesamtjahr 2014 beisteuern. Zum Betriebsergebnis soll Concur keinen nennenswerten Anteil beitragen. Das Cloudcomputing-Geschäft von SAP wird mit der Übernahme gestärkt und auf den Bereich Reisekostenmanagement ausgedehnt. Der Vorteil für den Walldorfer Softwareanbieter ist die dominante Stellung von Concur-Software bei den Fortune 100 Unternehmen, wovon SAP in Zukunft erheblich profitieren könnte, indem diesen Firmen die eigene Business-Software angeboten wird. Sein Cloudcomputing-Bereich hatte der Hersteller in den letzten Jahren durch zahlreiche Firmenkäufe vor allem auf dem US-Softwaremarkt stark ausgebaut. Der Jahresumsatz von SAP liegt bei 16,81 Milliarden Euro und die Bilanzsumme bei 26,83 Milliarden Euro. Der Zukauf von Concur ist eine teure Investition in die Zukunft, da sich der Schuldenstand um 7 Milliarden Euro erhöht und damit mehr als verdoppelt. Die Kreditwürdigkeit bewerten die Ratingagenturen Moody´s und Standard & Poors trotz der Verdoppelung der Schulden mit gut. In nächster Zeit dürfte SAP aufgrund des engen finanziellen Spielraums keine weiteren Firmenkäufe planen.

 

In Deutschland streben Edeka und Tengelmann eine Fusion an, worauf das Bundeskartellamt mit einer einstweiligen Anordnung reagierte. Die beiden Unternehmen hatten schon begonnen sich auf den Zusammenschluss auszurichten, obwohl eine behördliche Genehmigung noch nicht erteilt wurde. Zum Beispiel hätten Verhandlungen über einen gemeinsamen Einkauf bereits stattgefunden und Anpassungen im Filialnetz seien ebenfalls Bestandteil der Gespräche gewesen. Ohne Zustimmung des Bundeskartellamts dürfe jedoch keine Filiale geschlossen und keine grundlegenden Dinge in den Strukturen der Firmen geändert werden.

 

Wenn dies doch der Fall sein sollte, dann müssen die zwei Einzelhandelsriesen mit einem Bußgeldverfahren rechnen. Die einstweilige Anordnung soll gewährleisten, dass zunächst alles so bleibt, wie es ist. Nach den Plänen von Edeka sollen 451 Filialen von Tengelmann und etwa 16.000 Mitarbeiter übernommen werden. Die Entscheidung über die Fusion möchten die Kartellwächter im Frühjahr 2015 mitteilen.

 

Der geplante Zusammenschluss zwischen Edeka und Tengelmann ist mit der Concur-Übernahme durch SAP vergleichbar. In beiden Fällen handelt es sich um Konzerne, die eine führende Marktstellung haben und Milliardenumsätze erwirtschaften. Der Jahresumsatz der Tengelmann-Gruppe beläuft sich auf 7,82 Milliarden Euro, davon erzielen die Supermärkte einen Umsatz von 1,94 Milliarden Euro.

 

Die Edeka-Gruppe erzielt einen Jahresumsatz von 46,2 Milliarden Euro und beschäftigt rund 328.000 Mitarbeiter. Der Wert der Fusion beider Unternehmen dürfte sich bezogen auf den Umsatz der Tengelmann-Supermärkte auf rund 2 Milliarden Euro belaufen.

 

Bundeskartellamt gegen Fusion

Das Bundeskartellamt hat den beiden Einzelhandelsriesen die Fusion untersagt. Als Konsequenz dieser Entscheidung haben Kaiser´s Tengelmann und Edeka eine Ministererlaubnis beantragt. Wie Tengelmann-Chef Karl-Erivan Haub erklärt, würde der Zusammenschluss die rund 16.000 Arbeitsplätze bei Tengelmann umfassend sichern. Das Fusionsverbot hatte das Kartellamt Anfang April erteilt, weil nach Ansicht der Kartellwächter die Auswahl an Lebensmittelhändlern sinken werde, worauf resultierend dann erhebliche Nachteile für Kunden und Lieferanten entstehen könnten.

 

Die Entscheidung für oder gegen die Fusion liegt jetzt allein bei Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel. Sollte er das Verbot aufheben, dann wäre dies die neunte Bewilligung einer kritisch eingestuften Fusion. Von 21 Anträgen auf Ministererlaubnis in den letzten Jahren wurden nur acht bewilligt und dabei meist mit Auflagen versehen. In den nächsten vier Monaten wird Gabriel eine Entscheidung treffen, dabei wird er prüfen ob gesamtwirtschaftliche Vorteile schwerer wiegen als ein starkes Interesse der Allgemeinheit.

 

Die Monopolkommission steht ihm dabei beratend zur Seite. Zum Thema sollen auch die Landesbehörden und die zwei Unternehmen jeweils Stellung beziehen. Schon vorab hatte der Bundeswirtschaftsminister im Vorfeld der Entscheidung der Kartellwächter eine Ministererlaubnis praktisch abgelehnt und sich gegen eine Einmischung bei Tengelmann ausgesprochen.

 

Ein letzter Ausweg aus diesem komplexen Vorgang wäre ein Gerichtsverfahren. Die beiden Lebensmittelhändler könnten vor das Oberlandesgericht Düsseldorf gehen und dort eine Aufhebung der Entscheidungen sowohl des Kartellamts als auch von Bundeswirtschaftsminister Gabriel auf richterlichen Wege erwirken. Es könnte für Edeka und Tengelmann sehr teuer werden, wenn der Gerichtsstreit jahrelang dauern würde, weshalb in den Konzernzentralen bezüglich Einschaltung des OLG Düsseldorf genau gerechnet wird, ob sich der Aufwand lohnen könnte.

 

Im Mittelpunkt des Streits stehen die 451 Tengelmann-Filialen, die Edeka übernehmen könnte und dadurch den deutschen Lebensmittelmarkt dominieren würde. Nach einer Branchenanalyse sind Edeka, Aldi, Rewe und die Schwarz-Gruppe (Lidl & Kaufland) die marktbeherrschenden Konzerne. Dies sei laut Bundeskartellamt-Chef Andreas Mundt zufolge eine besorgniserregende Entwicklung. Es könnte zu einer Verschiebung der Marktverhältnisse kommen, auch wenn sich der Marktanteil von Tengelmann bei nur 0,6 Prozent liegt. Besonders in einigen Teilmärkten wie Berlin, Nordrhein-Westfalen und München droht eine dominierende Marktposition, wenn Tengelmann keine eigenständige Kette bleiben sollte. Die Lieferanten müssten sich auf einen Preisdruck einstellen, weil der neue Lebensmittelriese die Preise neu verhandeln könnte.

 

Die US-Kartellbehörden hatten gegen die Milliardenübernahme durch SAP keinen Einwand. Wenn man die „Edeka“ Entscheidung des Bundeskartellamtes auf die SAP Übernahme übersetzen würde, hätten die Kartellwächter sicher gewisse Kompromisse als Gegenleistung verlangt und würden möglicherweise sogar in einer teilweisen Zerschlagung von SAP resultieren, falls die Marktmacht dann zu groß wäre.

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