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Die neue Freiheit für SAP-Anwender?

Viele SAP-Kunden wünschen sich dynamischere Möglichkeiten, mit ihrer SAP Software umzugehen. Dies ging aus einer Umfrage hervor, welche von der DSAG durchgeführt wurde. Ganz oben auf dem Wunschzettel der SAP Anwender standen hierbei die Stichworte Flexibilität, Stabilität und Metrik.

Die Arbeitsgruppe Lizenzen der DSAG stellte daraufhin ein Paper mit einem Forderungskatalog zusammen, um den Walldorfer Softwarekonzern zu Innovationen im Bereich Lizenznutzung zu bewegen. Als Reaktion auf diese deutlich formulierten Bedürfnisse gestaltete SAP nun den Umgang mit den Nutzungsrechten der Software – teilweise – transparenter und flexibler.

 

SAP gehört nicht zu den Konzernen, die durch Kundenfreundlichkeit und Anpassungsfähigkeit bestechen. Vielmehr ächzen die Anwender der Software aus Walldorf schon lange unter der Last starrer Verträge, dem ständigen Zukaufszwang und der Alles-oder-Nichts-Politik.

Nun wurden durch eine Umfrage der DSAG die Bedürfnisse und Wünsche der Kunden zum ersten Mal seit langem eindeutig formuliert. Hierzu überreichte die DSAG einen Katalog mit den Umfrageergebnissen und Vorschlägen, wie die Wünsche der Nutzer umgesetzt werden könnten. Besonders wichtig schien den Anwendern ein flexibleres Lizenzmanagement, die Stabilität ihrer Investitionen und die Vermessbarkeit ihrer Softwarelandschaft zu sein.

Nun hat SAP mit einigen Änderungen im Bereich Lizenzierung auf diese Forderungen reagiert.

 

Für drei Szenarien wurden hierzu Kriterienkataloge erstellt, welche die Voraussetzungen und die Vorgehensweise für die Erweiterung von On premise Lösungen zur Cloud, von On premise zu On premise (Erweiterung oder Releasewechsel) und die teilweise Stilllegung von Lizenzen vorgeben.

Die Neugestaltung der Vertragskonditionen für die Erweiterung und Reduzierung von SAP-Systemen, welche die DSAG als großen Triumph feierte, lassen den Leser bei genauerem Hinsehen jedoch stutzig werden. Wie viel Freiheit gewinnt der SAP-Kunde durch die Neuerungen wirklich?

 

Erweiterung von On-premise zur Cloud

Für Anwender, die ihr System nach und nach von On-premise auf Cloud-Systeme umstellen möchten, bietet sich nun die Möglichkeit, bereits vorhandene On-premise Lizenzen in Cloud-Software umzuwandeln. Hierzu werden die ERP oder Business Suite User stillgelegt, also auch die Wartung gekündigt und der Kunde kann in den Cloud-Service investieren. Wurde die Wartung der alten Lizenzen ordnungsgemäß drei  Monate vor Einführung des Cloud-Systems gekündigt, kann die Wartung für die Lizenzen direkt auf die Cloud-Software übergehen. Die Mindestlaufzeit für die Wartungsverträge der Cloud Lösungen beträgt fünf Jahre.

Diese Vorgehensweise ist im Vergleich zur früheren Handhabe ein Fortschritt, denn bisher war den Anwendern die Stilllegung von bereits erworbenen Lizenzen nicht erlaubt.

Allerdings kann die Umstellung auf die Cloud – also der Verkauf der On-premise Software und der Kauf der Cloud-Lizenzen – nur bei dem Händler erfolgen, von dem die zuvor verwendeten Produkte gekauft wurden. Eine Möglichkeit, selbst zu bestimmen, wer die Lizenzen erhalten soll, wie z.B. Anbieter von gebrauchter Software, besteht also nicht. Statt dem Anwender die Wahl zu lassen, welche Lizenzen er nicht mehr nutzen möchte, bestimmt SAP auch, welche Lizenzen bei einer partiellen Umstellung abgegeben werden. Zuerst werden die User aus dem Vertrag mit dem höchsten Rabatt ausgemustert und die Vergünstigungen für die Wartung der noch genutzten Software neu verhandelt.

Auch bei der Cloud-Erweiterung ist der SAP-Kunde in der Pflicht, denn vor und nach dem Wechsel der Software muss jeweils zwingend ein Audit durchgeführt werden. Sämtliche Verträge oder Angebote, die auf die SAP-Software zugreifen, müssen gekündigt werden. Drittanbieter werden also – wie schon zuvor – von vornherein ausgeschlossen.

 

Erweiterung von On-premise zu On-premise

Wer bei On premise Lösungen bleiben möchte, hat nun die Möglichkeit, die bereits erstandene Software stillzulegen und neue Produkte im Austausch für eben jene Lizenzen zu erwerben. Dies betrifft vor allem die Releasewechsel von einer Softwareversion auf eine andere.

Für die nicht mehr benötigten Lizenzen können die Wartungsverträge frühestens drei Monate vor Ablauf der Mindestlaufzeit zum Jahresende gekündigt werden und die Wartung der neuen Software kann zum gleichen Zeitpunkt beginnen.

Der Teufel steckt, wie bei der Cloud-Erweiterung, im Detail. Alle Kriterien, die im Abschnitt über die Cloud-Erweiterung bereits genannt wurden, treffen auf die On premise Erweiterung ebenfalls zu.

Wer sich dadurch eine unkomplizierte Verkleinerung des Lizenzbestandes erhoffte, wird bitter enttäuscht sein, denn der Kunde ist verpflichtet, mindestens alle stillgelegten Lizenzen durch neue zu ersetzen. Zur Reduzierung der User in einem Lizenzpool besteht aber häufig Bedarf, wenn Firmen sich verkleinern oder einzelne Unternehmen aus bestehenden Firmengruppen ausgegliedert werden.

Generell sind die Rahmenbedingungen für die On premise Erweiterung nicht darauf ausgelegt, eine Kostenreduzierung zuzulassen, denn die Wartungsgebühren, die für die neu erworbene Software entsteht, muss mit den zuvor bezahlten Wartungskosten mindestens identisch sein. Dies gilt ebenfalls für den Prozentsatz, welcher der Berechnung der Wartungsgebühren zugrunde liegt (zurzeit z.B. 22%).

Unter anderem ergab die Umfrage der DSAG, dass sich viele SAP Anwender eine Möglichkeit wünschen, ihre Systeme selbst vermessen zu können. Dies ist technisch durchaus im Bereich des Machbaren, von SAP aber anscheinend nicht gewünscht, denn nach einer On premise Erweiterung oder einem Releasewechsel lässt sich SAP das Recht einräumen, selbst zusätzliche Vermessungen der betroffenen Anwender durchzuführen.

 

Stilllegung von Lizenzen ohne Ersatz

Nach den Bemühungen der DSAG können SAP Kunden nun erstmals Lizenzen stilllegen, ohne neue Software im Austausch zu kaufen.

Das klingt zunächst genau nach dem, was sich so viele SAP-Anwender für ihr System wünschen, ganz so einfach ist es jedoch nicht. Denn für die noch verbliebenen Lizenzen der gleichen Produktfamilie werden die Vergünstigungen der Wartungsgebühren neu verhandelt. Kündigt der Nutzer also die Wartung für einen Vertrag mit ERP-Lizenzen, werden die Rabatte für alle anderen Verträge, die ERP Software umfassen, angepasst. Wenigstens Mehrkosten muss der Kunde nicht fürchten, es entstehen maximal Wartungskosten in Höhe der zuletzt bezahlten Gebühren.

Vor allem mittelständische Unternehmen wünschen sich für ihre SAP-Landschaft mehr Freiheit und Selbstbestimmung. Die neuen Angebote von SAP scheinen auf den ersten Blick ein Schritt in die richtige Richtung zu sein, um den Anwendern mehr Entscheidungsfreiheit zu geben, jedoch offenbaren sich auch hier unübersehbare Klippen, die es den Nutzern schwerer als nötig machen, selbst über die verwendete Software und vor allem deren Umfang zu bestimmen.

Auch werden immer mehr Stimmen laut, welche die Praktiken, die SAP ausführlich in den Policy-Katalogen beschreibt, kartellrechtlich für bedenklich halten.

Ob das neue Praxismodell einer rechtlichen Prüfung standhält und zu insgesamt zufriedeneren Kunden führt, bleibt daher abzuwarten.

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