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Transformation zu S/4 und Hana: Wie bewerkstelligen?

Hurra! Die Richtung stimmt! Aber reicht die Zeit? Damit die Hana- und S/4-Reise nicht zu einer Odyssee wird, muss sich der SAP-Bestandskunde um professionelle Hilfe umschauen.

Quelle: E-3 Magazin

Link: https://e-3.de/2019/06/07/transformation-zu-s-4-und-hana-wie-bewerkstelligen/

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Kategorien:Aktuell

Firmenübernahme in 2014

Bundeskartellamt und die Firmenübernahmen

Der Walldorfer Softwarehersteller SAP steht vor der bisher größten Übernahme seiner Firmengeschichte, die Aktionäre des US-Softwarekonzerns Concur stimmten den Plänen auf der Hauptversammlung zu. Den Kauf des Unternehmens hatte SAP bereits Mitte September 2014 angekündigt und zahlt einen Preis von umgerechnet 6,5 Milliarden Euro. Der Wert von Concur wird auf rund 8,3 Milliarden US-Dollar taxiert. Der Softwareanbieter hat sich auf die Entwicklung von Programmen zur Reisekostenabwicklung spezialisiert. Rund 25.000 Kunden, 25 Millionen Nutzer und 4200 Mitarbeiter zählt der Konzern in 150 Ländern. Von den Fortune 100 Firmen setzen über 70 Prozent auf Concur-Software. Der Börsenwert von SAP beläuft sich auf rund 70 Milliarden Euro und ist damit etwa neun mal größer als Concur.

 

Bei Concur handelt es sich  um den weltweit führenden Anbieter für Lösungen & Dienstleistungen im Reise- und Reisekostenmanagement. Alle Beteiligten bestehend aus Kunden, Anbietern und Entwicklern werden über die offene Concur-Plattform miteinander vernetzt. Die Systeme des Hersteller sind auf die individuellen Mitarbeiteranforderungen einstellbar, lassen sich skalieren und eignen sich für kleine wie große Unternehmen. Die Übernahme von Concur konnte letzte Woche erfolgreich abgeschlossen werden. Die Aktionäre erhielten einen Barausgleich von 129 US-Dollar pro Aktie.

 

Einen Anteil von 40 bis 45 Millionen US-Dollar an den Erlösen des Cloud-Supports und Cloud-Abonnements soll der Zukauf im vierten Quartal bzw. Gesamtjahr 2014 beisteuern. Zum Betriebsergebnis soll Concur keinen nennenswerten Anteil beitragen. Das Cloudcomputing-Geschäft von SAP wird mit der Übernahme gestärkt und auf den Bereich Reisekostenmanagement ausgedehnt. Der Vorteil für den Walldorfer Softwareanbieter ist die dominante Stellung von Concur-Software bei den Fortune 100 Unternehmen, wovon SAP in Zukunft erheblich profitieren könnte, indem diesen Firmen die eigene Business-Software angeboten wird. Sein Cloudcomputing-Bereich hatte der Hersteller in den letzten Jahren durch zahlreiche Firmenkäufe vor allem auf dem US-Softwaremarkt stark ausgebaut. Der Jahresumsatz von SAP liegt bei 16,81 Milliarden Euro und die Bilanzsumme bei 26,83 Milliarden Euro. Der Zukauf von Concur ist eine teure Investition in die Zukunft, da sich der Schuldenstand um 7 Milliarden Euro erhöht und damit mehr als verdoppelt. Die Kreditwürdigkeit bewerten die Ratingagenturen Moody´s und Standard & Poors trotz der Verdoppelung der Schulden mit gut. In nächster Zeit dürfte SAP aufgrund des engen finanziellen Spielraums keine weiteren Firmenkäufe planen.

 

In Deutschland streben Edeka und Tengelmann eine Fusion an, worauf das Bundeskartellamt mit einer einstweiligen Anordnung reagierte. Die beiden Unternehmen hatten schon begonnen sich auf den Zusammenschluss auszurichten, obwohl eine behördliche Genehmigung noch nicht erteilt wurde. Zum Beispiel hätten Verhandlungen über einen gemeinsamen Einkauf bereits stattgefunden und Anpassungen im Filialnetz seien ebenfalls Bestandteil der Gespräche gewesen. Ohne Zustimmung des Bundeskartellamts dürfe jedoch keine Filiale geschlossen und keine grundlegenden Dinge in den Strukturen der Firmen geändert werden.

 

Wenn dies doch der Fall sein sollte, dann müssen die zwei Einzelhandelsriesen mit einem Bußgeldverfahren rechnen. Die einstweilige Anordnung soll gewährleisten, dass zunächst alles so bleibt, wie es ist. Nach den Plänen von Edeka sollen 451 Filialen von Tengelmann und etwa 16.000 Mitarbeiter übernommen werden. Die Entscheidung über die Fusion möchten die Kartellwächter im Frühjahr 2015 mitteilen.

 

Der geplante Zusammenschluss zwischen Edeka und Tengelmann ist mit der Concur-Übernahme durch SAP vergleichbar. In beiden Fällen handelt es sich um Konzerne, die eine führende Marktstellung haben und Milliardenumsätze erwirtschaften. Der Jahresumsatz der Tengelmann-Gruppe beläuft sich auf 7,82 Milliarden Euro, davon erzielen die Supermärkte einen Umsatz von 1,94 Milliarden Euro.

 

Die Edeka-Gruppe erzielt einen Jahresumsatz von 46,2 Milliarden Euro und beschäftigt rund 328.000 Mitarbeiter. Der Wert der Fusion beider Unternehmen dürfte sich bezogen auf den Umsatz der Tengelmann-Supermärkte auf rund 2 Milliarden Euro belaufen.

 

Bundeskartellamt gegen Fusion

Das Bundeskartellamt hat den beiden Einzelhandelsriesen die Fusion untersagt. Als Konsequenz dieser Entscheidung haben Kaiser´s Tengelmann und Edeka eine Ministererlaubnis beantragt. Wie Tengelmann-Chef Karl-Erivan Haub erklärt, würde der Zusammenschluss die rund 16.000 Arbeitsplätze bei Tengelmann umfassend sichern. Das Fusionsverbot hatte das Kartellamt Anfang April erteilt, weil nach Ansicht der Kartellwächter die Auswahl an Lebensmittelhändlern sinken werde, worauf resultierend dann erhebliche Nachteile für Kunden und Lieferanten entstehen könnten.

 

Die Entscheidung für oder gegen die Fusion liegt jetzt allein bei Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel. Sollte er das Verbot aufheben, dann wäre dies die neunte Bewilligung einer kritisch eingestuften Fusion. Von 21 Anträgen auf Ministererlaubnis in den letzten Jahren wurden nur acht bewilligt und dabei meist mit Auflagen versehen. In den nächsten vier Monaten wird Gabriel eine Entscheidung treffen, dabei wird er prüfen ob gesamtwirtschaftliche Vorteile schwerer wiegen als ein starkes Interesse der Allgemeinheit.

 

Die Monopolkommission steht ihm dabei beratend zur Seite. Zum Thema sollen auch die Landesbehörden und die zwei Unternehmen jeweils Stellung beziehen. Schon vorab hatte der Bundeswirtschaftsminister im Vorfeld der Entscheidung der Kartellwächter eine Ministererlaubnis praktisch abgelehnt und sich gegen eine Einmischung bei Tengelmann ausgesprochen.

 

Ein letzter Ausweg aus diesem komplexen Vorgang wäre ein Gerichtsverfahren. Die beiden Lebensmittelhändler könnten vor das Oberlandesgericht Düsseldorf gehen und dort eine Aufhebung der Entscheidungen sowohl des Kartellamts als auch von Bundeswirtschaftsminister Gabriel auf richterlichen Wege erwirken. Es könnte für Edeka und Tengelmann sehr teuer werden, wenn der Gerichtsstreit jahrelang dauern würde, weshalb in den Konzernzentralen bezüglich Einschaltung des OLG Düsseldorf genau gerechnet wird, ob sich der Aufwand lohnen könnte.

 

Im Mittelpunkt des Streits stehen die 451 Tengelmann-Filialen, die Edeka übernehmen könnte und dadurch den deutschen Lebensmittelmarkt dominieren würde. Nach einer Branchenanalyse sind Edeka, Aldi, Rewe und die Schwarz-Gruppe (Lidl & Kaufland) die marktbeherrschenden Konzerne. Dies sei laut Bundeskartellamt-Chef Andreas Mundt zufolge eine besorgniserregende Entwicklung. Es könnte zu einer Verschiebung der Marktverhältnisse kommen, auch wenn sich der Marktanteil von Tengelmann bei nur 0,6 Prozent liegt. Besonders in einigen Teilmärkten wie Berlin, Nordrhein-Westfalen und München droht eine dominierende Marktposition, wenn Tengelmann keine eigenständige Kette bleiben sollte. Die Lieferanten müssten sich auf einen Preisdruck einstellen, weil der neue Lebensmittelriese die Preise neu verhandeln könnte.

 

Die US-Kartellbehörden hatten gegen die Milliardenübernahme durch SAP keinen Einwand. Wenn man die „Edeka“ Entscheidung des Bundeskartellamtes auf die SAP Übernahme übersetzen würde, hätten die Kartellwächter sicher gewisse Kompromisse als Gegenleistung verlangt und würden möglicherweise sogar in einer teilweisen Zerschlagung von SAP resultieren, falls die Marktmacht dann zu groß wäre.

Kategorien:Aktuell

Interview mit Rechtsanwalt Dr. Robert Fleuter aus 2014

Rechtsanwalt Dr. Robert Fleuter ist Experte für IT-Recht und Mitgründer der Kanzlei BLC Rechtsanwälte (Heidelberg/Düsseldorf). Im Interview spricht er über Gebührenflexibilität bei Software-Pflegeverträgen und den Trend zur Vermietung von Software.

 

Herr Dr. Fleuter, das Landgericht (LG) in Hamburg hat entschieden, dass einzelne Passagen in den AGB von SAP, welche die Weitergabe von Software erschweren, nicht mehr verwendet werden dürfen. Was ist der konkrete Vorteil für Nutzer, die doch eigentlich bereits von der Entscheidung des Europäischen Gerichtshofs (EuGH) profitiert haben, dass gebrauchte Software unabhängig von ihrer Verkörperung auf einem Datenträger weiterverkauft werden darf?

In der Konsequenz ist das, was jetzt in Hamburg gegen SAP entschieden wurde, die praktische Umsetzung der EuGH-Entscheidung. Nach dem Urteil ist es nicht mehr angängig, dass Anbieter AGB verwenden, welche die Weiterveräußerung von gekaufter Software verbieten oder von erschwerenden Bedingungen abhängig machen. Auch das Oberlandesgericht Hamburg hatte Microsoft im April 2013 mittels einer einstweiligen Verfügung die Verwendung einer AGB-Klausel untersagt, die dem Erstkäufer Restriktionen beim Weiterverkauf von Windows 8 an nachfolgende Erwerber auferlegte. Wir haben also aus Hamburg bereits zwei Entscheidungen, die im Sinne des EuGH die Verkehrsfähigkeit von Software stärken. Das Plus an Flexibilität und Rechtssicherheit wird zunehmend deutlich.

 

Wer profitiert konkret von dem Urteil?

Aus meiner Sicht hat susensoftware durch den Prozess etwas klären lassen, was eigentlich tausende von Unternehmen betrifft. Denn sehr viele Nutzer von SAP-Software haben dieses Problem mit dem bisher schwierigen Weiterverkauf. Unter dem Strich geht es für die meisten von ihnen darum, bei sinkendem Lizenzeinsatz oder Lizenzbestand auch ihre Pflegegebühren entsprechend reduzieren zu können. Bisher wurde das noch nie vor Gericht durchgefochten, auch weil vermutlich SAP häufig im letzten Moment doch noch individuelle Zugeständnisse macht, kurz bevor das benachteiligte Anwenderunternehmer sich mittels gerichtlicher Hilfe zur Wehr setzt. Seitens SAP schien man einen solchen Prozess lange vermeiden zu wollen.

 

Die Klage war jedoch nicht vollständig erfolgreich.

Das ist richtig. Zwar wurden bisher zwei Elemente aus den SAP-AGB für unwirksam erklärt, allerdings wurde der Klage nicht stattgegeben hinsichtlich der Verpflichtung, den gesamten Bestand von SAP-Lizenzen und stets alle Installationen auch durch SAP unter Pflege zu halten. Ich glaube aber, dass dieses Thema noch nicht abschließend entschieden ist. Das müsste vielleicht kartellrechtlich noch einmal überprüft werden. Zwar gibt es theoretisch die Möglichkeit, einfach den gesamten Pflegevertrag zu kündigen und zu einem Drittanbieter zu gehen, falls dieser tatsächlich einen umfassenden Pflegeumfang bieten könnte. Kartellrechtlich könnte es aber durchaus sein, dass SAP in dieser Hinsicht eine marktbeherrschende Stellung hat, die nicht zum Nachteil von Marktteilnehmern missbraucht werden darf.

 

Wie sehen Sie bei künftigen Klagen mit ähnlicher Zielrichtung die Aussicht auf Erfolg?

Hier lohnt es sich, noch einmal einen genaueren Blick auf das EuGH-Urteil zu werfen. Die Richter haben deutlich gemacht, dass der Weg zum Handel mit gebrauchter Software ziemlich umfassend von praktischen Hindernissen befreit werden soll. Das sieht man an der rechtlichen Gleichsetzung des Download-Erwerbs mit der Verkörperung auf Datenträger, was die Fortschreibung des Erschöpfungsgrundsatzes im digitalen Umfeld bedeutet. Zudem wird die Intention der Stärkung der Verkehrsfähigkeit von Software auch daran sichtbar, dass es den Richtern nicht nur um die ursprünglich überlassene Version der Software ging, sondern auch um alle Updates und nachfolgenden Versionen, die im Rahmen des Pflegevertrags geliefert werden: Die tatsächlich weiterverkauften aktualisierten Fassungen berühren nicht die rechtliche Identität der Erstkopie. Gerade die Pflicht zur Pflege des Gesamtbestands in AGB könnte aber durchaus als eines der praktischen Hindernisse auf dem Weg zum freien Handel gelten. Ich sehe also starke Indizien, dass die Beibehaltung dieses Punktes in den AGB dem erkennbaren Geist des EuGH-Urteils widersprechen könnte.

 

Hat SAP bereits auf das Urteil reagiert?

Das ist schon passiert. Nachfolgend zum Hamburger Urteil bietet SAP flexiblere Lösungen an und setzt unter anderem mehr auf eine Software-Überlassung auf Zeit, also juristisch gesehen auf Vermietung, bei der die Problematik des Weiterverkaufs obsolet wird. Hinzu kommt unter bestimmten Voraussetzungen die Möglichkeit, gekauften und vorhandenen Software-Bestand in ein Mietmodell zu transferieren. Ob das wirklich in jedem Fall die Gebührenhöhe von Pflege reduziert, ist wohl nur individuell zu beurteilen. Wenn sich das durchsetzt, bedeutet das natürlich auch weniger gebrauchte Lizenzen, für die ein wirtschaftliches Interesse des Unternehmens zum Weiterverkauf entsteht.

 

Werden die Kunden das denn akzeptieren?

Es denke schon, dass Unternehmen diese neuen Möglichkeiten der Flexibilisierung durchrechnen und eventuell auch nutzen werden. Juristisch bedeutet Vermietung ja zunächst auch, dass der Vermieter für den vertragsgemäßen Zustand der Sache während der gesamten Laufzeit verantwortlich ist. Der Vermieter hat also ohnehin bereits Pflichten zu erfüllen, die sonst im Kaufmodell erst mit einem Pflegevertrag entstehen. Es wird somit schwieriger für Hersteller, neben vielleicht hohen Mietgebühren auch noch hohe Pflegegebühren zu erheben. Ein wichtiger Punkt in der Abwägung ist aber auch die Sicherheitsfrage: Vermietung läuft klassischerweise über die Cloud, also ausgelagerten Speicherplatz. Ich weiß nicht, ob Unternehmen bereit sind, im großen Stil sensible Daten dorthin auszulagern.

Kategorien:Aktuell

Interview mit Frank Bogolowski aus 2014

Frank Bogolowski ist IT-Consultant, der Firmen im Projektmanagement unter anderem bei SAP-Installationen unterstützt. Im Interview spricht er darüber, wie SAP vor einigen Jahren verhinderte, dass sein ehemaliger Arbeitgeber seine SAP-Lizenzen gebraucht weiter verkaufte.

Herr Bogolowski, Sie versuchten schon im Jahr 2008, gebrauchte SAP-Lizenzen weiter zu verkaufen, obwohl das damals noch kaum ein Thema war. Wie kam es dazu?

Ich war damals IT-Leiter bei der Kampa-AG, die in die geordnete Insolvenz ging. Unter dem damaligen Insolvenzverwalter lief der Betrieb noch rund zwei Jahre weiter, während der wir versuchten, alle ungenutzten Vermögenswerte der Firma zu Geld zu machen – so auch die nicht mehr benötigten Software-Lizenzen. Das hat bei vielen verschiedenen Programmen wunderbar funktioniert – nur SAP hat uns bei seinen Produkten schlussendlich einen Strich durch die Rechnung gezogen.

Was hat SAP denn anders gemacht als andere Software-Anbieter?

SAP erfährt es so gut wie immer schon lange vor dem Kauf, wenn jemand neue Lizenzen erwerben möchte, weil der potenzielle Käufer sich nach Preisen erkundigt. So war das auch in unserem Fall. Zuerst meldete sich SAP beim IT-Leiter des potenziellen Käufers und riet ihm von der Transaktion ab. Als das nicht gefruchtet hat, wurde plötzlich am IT-Leiter vorbei das obere Management kontaktiert. Dieses war mit dem Vorgang natürlich gar nicht im Detail vertraut und hat sich erst einmal erschrocken.

Also hat das Management sich schließlich dagegen entschieden, um einen Konflikt zu vermeiden?

Zunächst nicht. Als der Käufer trotzdem noch mit uns den Erwerb einleiten wollte, hat SAP zunächst abgelehnt, die Software zu warten. Also haben wir uns auf die Suche nach einem Drittanbieter für die Wartung gemacht. Es ging noch einige Male hin und her, irgendwann war auch die Rede von rechtlichen Schritten wegen Verletzung der AGB. Hätte unsere Firma keinen Insolvenzverwalter gehabt, hätte sich unsere  Geschäftleitung so gut wie jeder andere Manager wahrscheinlich schon längst abschrecken lassen.

Hat der Verkauf dann schließlich stattgefunden?

Nein. Als alles Taktieren nichts mehr half und wir den Verkauf trotzdem abwickeln wollten, bekam der Käufer plötzlich ein sehr günstiges Angebot von SAP, wo er neue Lizenzen mehr oder weniger zum Gebrauchtpreisniveau bekam und dazu noch einen deutlichen Rabatt auf die Wartung. Da hat er verständlicherweise zugegriffen und wir waren aus dem Spiel.

Warum ist es SAP überhaupt so ein Dorn im Auge, wenn Lizenzen gebraucht weiter verkauft werden?

So ganz verstehe ich das auch nicht. Natürlich macht SAP sich wohl Sorgen, dass das Neugeschäft einbrechen könnte. Auf der anderen Seite würde es sehr wahrscheinlich helfen, auch im noch nicht besetzten Mittelstandsegment Fuß zu fassen. Potentielle Kunden, auch mit Gebrauchtlizenz, werden ihre Wartung großteils bei SAP in Auftrag geben. Letztlich ist für ein Unternehmen die Gesamtinvestition ausschlaggebend, also die Summe aus Kauf, Einführungsaufwand und fortlaufender Wartung.  Dieser sehr individuelle Invest kann nur durch den erwarteten Nutzen gegengerechnet werden. Mit gebrauchten Lizenzen bestände die Möglichkeit, auch für SAP, sich besser im Wettbewerb zu positionieren. Ich glaube, als AG steht die Firma einfach auch unter großem Druck, ein hohes Neugeschäft auszuweisen. Wäre dieser Druck nicht da, dann wäre die Kundenpolitik wahrscheinlich auch freundlicher.

Das Urteil vor dem Landgericht Hamburg, nach dem nun Teile der SAP-AGB gestrichen werden können, dürfte es aber doch für SAP schwieriger machen, weiterhin so viel Druck aufzubauen.

Das fällt in eine Zeit, in der sich die Unternehmen ohnehin vom Konzern emanzipieren. Den Verantwortlichen wird klar, dass sie nicht einfach jede Änderung oder pauschale Preiserhöhung bei der Wartung ohne erkennbaren Mehrwert klaglos hinnehmen müssen. Das mag noch vor ein paar Jahren die absolute Ausnahme gewesen sein, aber auch Kunden sind organisiert, etwa in der DSAG (Deutschsprachige SAP-Anwendergruppe e.V.) Da passt es gut, dass zusätzlich auch vor Gericht die Kundenpolitik von SAP kritisiert wird. Es wird dabei helfen, die Veränderungen in der Branche schneller in die Praxis umzusetzen.

Wir werden also in Zukunft mehr Handel mit gebrauchten Lizenzen sehen?

Ich möchte noch einmal klarstellen, dass ich hier nicht die Produkteigenschaften der Software in Frage stelle, die ja durchaus ihre Berechtigung haben und einen Nutzen darstellen. Es geht doch um die sehr einengen Geschäftsbedingungen. Gerade mittelständisch orientierten Unternehmen fällt damit die flexible Reaktion auf ein geändertes Umfeld schwer. Es gibt eben die typische Einbahnstraßen-Situation:  Lizenzen kann ich nur zukaufen, aber nicht mehr ohne weiteres abbauen. Hier bin ich mit der Möglichkeit der Gebrauchtlizenz einfach flexibler, und das in beide Richtungen. Noch ist der Anteil der Gebrauchtsoftware am Gesamtmarkt verschwindend gering. Ich rechne allerdings damit, dass es mehr wird – auch durch Prozesse wie den von susensoftware. In anderen Bereichen ist Gebrauchtsoftware tägliche Praxis, so wird sich letztlich auch SAP an den Anforderungen des Marktes orientieren müssen.

Kategorien:Aktuell

Verbraucherschutz in Deutschland

gewerblicher Verbraucher darf sich selber schützen

Der Verbraucherschutz in Deutschland ist einer der stärksten auf der Welt. Die Gewährleistungspflicht für gebrauchte Güter verpflichtet einen Softwarehändler dazu eine Gewährleistung auf die verkaufte Software zu bieten und dieser darf nicht zu Ungunsten des Verbrauchers darauf verzichten. Das Verursacherprinzip wird nach Meinung der Unternehmen ausgehebelt, weil Kosten nicht mehr dem Verursacher in Rechnung gestellt werden dürfen. Zum Beispiel ist es Banken untersagt Gebühren für Kontopfändungen oder Lastschrift-Rückgaben zu berechnen.

 

Die deutsche Wirtschaftsordnung sieht eine ausgleichende Gerechtigkeit durch Wettbewerb vor. Nur bei Monopolen und vergleichbaren Strukturen wird ein Wettbewerb behindert, wie zum Beispiel im Softwarebereich der Hersteller SAP mit seinen AGB zeigt. Hierin wird u.a. der Verkauf gebrauchter SAP-Lizenzen stark reglementiert. Alle Firmen die gebrauchte SAP-Software verkaufen stehen im direkten Wettbewerb zum Walldorfer Softwarekonzern. Im Business spielt der Verbraucherschutz keine große Rolle, weil die Softwarehersteller und Firmen aus anderen Branchen ihre AGB frei gestalten können. Nach dem AGB-Gesetz sollen die Allgemeinen Geschäftsbedingungen verhindern dass Firmen ihre Vertragspartner und dabei vor allem Privatverbraucher nicht einseitig durch Klauseln an sich binden.

 

Nach einer Entscheidung des Europäischen Gerichtshofs (EuGH) dürfen Verbraucher gebrauchte Software erwerben. Die Softwarehersteller nutzen ihre Marktstellung aus, indem sie die Preise auf einem hohen Niveau halten und so für hohe Kosten bei gewerblichen Verbrauchern (wie Unternehmen) sorgen. Wir können vermuten, dass die Kosten auf die eigenen Produkte umgelegt werden und so letztlich auch bei privaten Verbrauchern ankommen.

Der private Verbraucher kann sich bei Problemen an eine Verbraucherschutzzentrale in seiner Nähe wenden und mit dem Verbraucherschützer versuchen eine Lösung zu finden. Ein gewerblicher Verbraucher hingegen muss – wie z.B. im Fall susensoftware gegen SAP – einen Rechtsanwalt einschalten, um sich ein unbeschränktes Recht zum Verkauf gebrauchter SAP-Lizenzen zu erkämpfen. Jedoch verursacht eine Klage hohe Kosten und behindert sicher viele Anwender und Händler ihr Recht gegen den Walldorfer Konzern vor Gericht einzuklagen.

Das Geschäftsmodell der SAP

Vor einigen Jahren sorgte die Klage des Softwarehändlers susensoftware gegen den Walldorfer Softwarekonzern SAP für Aufsehen. Das Geschäftsmodell der SAP basiert auf ihren AGB, welche den Weiterverkauf der Softwarelizenzen beschränkten und so den allgemeinen Wettbewerb behinderten.

Eigentlich sollte zum eigenen Schutz ein Wettbewerber kritische Passagen in den AGB bemängeln. In der Softwarebranche scheint es aber so, als übernehmen die Akteure lieber die „kreativen“ Klauseln in die eigenen AGB, statt diese beim anderen anzugreifen. Der Endkunde darf am Ende die Zeche in Form hoher Lizenzpreise zahlen. Die enorme Marktstellung von SAP verhinderte vermutlich bisher den offenen Widerstand eines Wettbewerbers zu dem Thema. Erst der Gebrauchtsoftwarehändler susensoftware klagte erfolgreich gegen die rechtlich bedenklichen AGBs der SAP.

 

Ein echter Wettbewerb würde zu sinkenden Preisen führen. Wenn der Gesetzgeber nicht einschreitet, müssen die SAP-Anwender weiterhin hohe Lizenzgebühren zahlen und dies ist vor allem für kleine und mittelständische Unternehmen ein zentraler Kostenfaktor. Der Verkauf gebrauchter SAP-Lizenzen ist derzeit nur in engen Grenzen möglich und sollte zugunsten des Wettbewerbs freiheitlicher gestaltet werden.

Die Erfolgsaussichten sind eigentlich gut, weil die SAP-AGB laut unseren Rechtsanwälten in wesentlichen Teilen unwirksam sind und dadurch wird das monopolähnliche Geschäftsmodell rechtlich angreifbar. Trotzdem entscheidet sich der Markt derzeit gegen solche Veränderungen.

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Spiegel-Skandal: Form follows Function

Es kam, wie es kommen musste: Die Spiegel-Leser wurden betrogen, weil die Spiegel-Chefredaktion Aberwitziges von den Spiegel-Journalisten forderte. Da helfen nur Fake News, um zu überleben. Eine wahrhaftige Szene wie die SAP-Community hat hier bessere Spielregeln!

Quelle: E-3 Magazin

Link: https://e-3.de/2019/03/07/spiegel-skandal-form-follows-function/

Kategorien:Aktuell

Indirekte SAP-Nutzung verursacht Zusatzkosten

Der Walldorfer Softwarekonzern SAP hat aus seiner Preisliste die Bezeichnung »indirekte Nutzung« klammheimlich entfernt und durch neue Bezeichnungen ersetzt, die mit einem Preis versehen wurden und eine potentielle Umsatzquelle erschließen sollen. Die Streichung dieses Passus hat für so genannte Non-SAP-Nutzer wie Onlineshop-Betreiber oder CRM-Anwender ungeahnte finanzielle Folgen. Sie müssen Lizenzkosten für die indirekte Nutzung von SAP-Software bezahlen. Die Lizenzkosten werden berechnet, sobald über eine Dialogschnittstelle zum Beispiel eine Datenbank abgerufen wird, die mit einer SAP-Anwendung funktioniert. Nach Ansicht der Walldorfer handelt es sich hierbei um eine indirekte SAP-Nutzung, wodurch die Berechnung von Lizenzgebühren gerechtfertigt sei.

 

In jährlichen Audits überprüft SAP diese spezielle Form der Nutzung und erzielt damit jährlich Millioneneinnahmen, ohne dass signifikante Mehrkosten für den Softwarehersteller entstehen. Auf der Gegenseite sind Unternehmen mit zusätzlichen Kosten in Millionenhöhe konfrontiert, die sie nur zum Teil etwa durch Preiserhöhungen kompensieren können.

 

Wer erfindet so etwas, warum, wo macht es Sinn, wo nicht?

Die indirekte Nutzung ist eine Bezeichnung, die beschreibt, dass jemand ein Programm, Raum, Fahrzeug oder Gegenstand mitbenutzt und dafür eventuell Gebühren zahlen muss. Im Bereich Software bedeutet die indirekte Nutzung ein Zugriff auf Anwendungen von Softwareherstellern wie SAP oder Microsoft über eine Schnittstelle. Beim Hersteller entstehen durch diese Nutzungsform keine zusätzlichen Kosten in merklicher Höhe.

 

Sein Vorgehen begründet SAP den Angaben (Stand 2003) von Alexa Bona (Research Director bei Gartner) zufolge damit, dass so manche Firma eigene Schnittstellen für die Anbindung von Drittsoftware an SAP-Systemen selbst programmiert, damit Lizenzkosten eingespart werden. Für jeden direkten und indirekten Zugriff sei eine Lizenz erforderlich.

 

Es sei bei der indirekten Nutzung unerheblich über welchen Weg oder mit welcher Technik der Zugriff auf SAP-Systeme stattfindet, begründete SAP im Mai 2003 seine Geschäftspolitik gegenüber Firmen, die SAP-Software offenbar unwissentlich mitnutzen. (http://www.computerwoche.de/a/lizenzmodelle-versagen-bei-indirektem-zugriff,1057505)

 

Für Hersteller wie SAP bedeutet die indirekte Nutzung die Eröffnung einer neuen Einnahmequelle auf Kosten von Betreibern von Onlineshops, CRM-Systemen und weiterer Anwendungen, die unwissentlich Programme oder Module einer Softwarefirma indirekt nutzen.

 

Eine indirekte Nutzung ist dann sinnvoll, wenn beide Seiten profitieren und die eventuellen Zusatzkosten überschaubar bleiben oder sogar geteilt werden.

 

Die DSAG (Deutschsprachige SAP Anwendergruppe) arbeitet in einer Arbeitsgruppe an einer Lösung des Problems. Die Gruppe soll klären was unter den Begriff »indirekte Nutzung« abgedeckt werden kann und eine klare Definition gefunden werden, welche Arten dieser Nutzungsform sich auf welche Weise abrechnen lassen. Das Ziel ist ein Preismodell für indirekte Nutzung, um Nachforderungen von SAP gegenüber dem Vertrieb zu vermeiden.

 

In Zeiten sinkender Einnahmen im Softwareverkauf müssen Softwarehersteller neue Einnahmequellen erschließen und die Erhebung von Lizenzgebühren für die indirekte Nutzung ist ein Weg. Die indirekte Nutzung entwickelt sich für SAP, Microsoft und Co. zu einer lukrativen Einnahmequelle.

 

Beispiele einer indirekten Nutzung

So könnte zum Beispiel der Inhaber eines Restaurants einen Saal für große Veranstaltungen, der nur selten genutzt wird wöchentlich an einen Zumba Trainer vermieten oder statt der Miete an den Einnahmen prozentual beteiligt werden. Der Saal könnte zusätzlich für Zumba Fitness Partys genutzt werden und würde die Zeiten ausgleichen, in denen er nicht genutzt wird.

 

In diesem Fall profitieren beide Seiten. Der Zumba Trainer hat einen Raum für seine wöchentlichen Kurse und der Restaurantbesitzer erzielt Einnahmen in Zeiten, wo der Saal nicht für Veranstaltungen benötigt wird. Vor allem unter der Woche an Werktagen werden derartige Räume nur selten genutzt. Ein Saal ist für Fitnesskurse eigentlich nicht vorgesehen, jedoch erlaubt er auf Grund seiner Größe die indirekte Nutzung als Kursraum, wenn eine Klimaanlage verfügbar sein sollte.

 

Der Vermieter oder Eigentümer der Immobilie könnte sich allerdings gegen die Nutzung des Saals als Kursraum aussprechen oder dafür eine höhere Miete verlangen. Zur Vermeidung einer solchen Situation müsste der Restaurantbesitzer entsprechend vorsorgen, indem der dem Trainer eine Musikanlage zur Verfügung stellt oder seinen Vermieter/Pächter prozentual an den Gesamteinnahmen der Saalvermietung beteiligt. Vor der indirekten Nutzung als Kursraum müsste der Restaurantbesitzer alle Einzelheiten mit seinem Vermieter klären und vertraglich vereinbaren.

 

Das Auto eignet sich sehr gut für eine indirekte Nutzung. Zum Beispiel stellt ein Unternehmen seinen Mitarbeitern einen Firmenwagen auch für die Privatnutzung zur Verfügung und berechnet dafür eine geringe monatliche Nutzungsgebühr. Die Privatfahrten müssten unter Umständen zur Vermeidung einer übermäßigen Privatnutzung in einem Fahrtenbuch protokolliert werden.

 

Fazit

Die indirekte Nutzung spielt für SAP, Microsoft und andere Softwarekonzerne eine immer wichtigere Rolle, vor allem was den Ausgleich rückläufiger Umsätze im Softwareverkauf betrifft. Die Kunden sind die Leidtragenden dieser unlauteren Geschäftspolitik, weil sie genau protokollieren müssen welcher ihrer Kunden etwa auf eine SAP-basierte Datenbank zugegriffen hat. Die Erstellung der Protokolle bindet unter Umständen personelle Ressourcen und kostet sinnlos Arbeitszeit. Zugleich bedeutet diese Geschäftspolitik eine Einmischung in das Verhältnis zwischen dem Anwenderunternehmen und Kunden, weil das Unternehmen eventuell seine Kundendaten zur Berechnung der Lizenzgebühren an SAP weiterleiten muss. Dies verstößt gegen den Datenschutz.

 

Bei einer Fortführung der Berechnung von Lizenzkosten für die indirekte Nutzung könnten die Hersteller langfristig ihre Kunden verlieren und hätte spürbare wirtschaftliche Folgen. Die Entwicklung spezieller Preismodelle welche die indirekte Nutzung berücksichtigen wäre für beide Seiten vorteilhaft. Ein Verzicht auf Lizenzgebühren für diese Nutzungsform wäre jedoch am fairsten, weil dem Hersteller keine oder nur geringe Mehrkosten entstehen.

Kategorien:Aktuell
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